Queer – angekommen im Neoliberalismus?

An dieser Stelle wird der Ankündigungstext zur Veranstaltung
„Queer – angekommen im Neoliberalismus?“ (14.05.12) veröffentlicht.

Queer versucht als Begriff und Konzept diejenigen Bedürfnisse und Begierden aber auch Deformationen und Unterdrückungsverhältnisse zum Ausdruck zu bringen, die nicht in den „großen Erzählungen“ (etwa des Marxismus oder des traditionellen Feminismus) vorkommen. Nachdem Queer, das als Stichwort in den 1980′er Jahren im Umfeld von SexarbeiterInnen, Transen, Punks und der Act-Up-Bewegung aufgetaucht war, jedoch Karriere an der Universität (insb. Judith Butler) gemacht hatte und von dort aus in die Konzepte zivilgesellschaftlichen und bürgerrechtlichen Engagements der NGO’s integriert wurde, wurde es Teil ideologischer Staatsapparate.
Seitdem passen queere Lebenskonzepte nicht nur wunderbar zur flexiblen Subjektivität, die uns im Neoliberalismus abverlangt wird, sondern verhindern mit dem Fokus auf Identität und mikrosoziale Vorgänge die Thematisierung ökonomischer Zusammenhänge – etwa die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung.
Demgegenüber gilt es eine queer-communistische Kritik zu formulieren, die eine Aufhebung der Klassengesellschaft und des Patriarchats, sowie eine Verwirklichung der polymorph-perversen Lüste und Leidenschaften anstrebt.

Die Veranstaltung will weniger eine umfassende und ausgereifte Theorie präsentieren, als das aufgeworfene Thema anhand einiger Thesen zur Diskussion stellen.