Archiv der Kategorie 'Texte'

Thesen zur Diskussion am 14.05. 19 Uhr

Queeres Bedürfnis, Patriarchat und Klassengesellschaft

1. Bedürfnisse im Allgemeinen und queere Bedürfnisse im Besonderen sind nur zu verstehen im Bezug auf gesellschaftliche Produktion

2. Es gibt eine dunkle Seite von Queer, die in den queer-politics kaum zur Sprache kommt.

3. Queer und Klassengesellschaft:
- Queer ist durchzogen von Klassengegensätzen
- Queer-politics verdecken Klassengegensätze
- Queer-politics markieren Klassengrenzen

4. Queer und Patriarchat
- Indem queer-politics die gesellschaftliche Arbeitsteilung nicht thematisieren und sich auf mikro-soziale Praxen und Identitätskonzepte konzentrieren, verdecken sie die Strukturen des Patriarchats.
- Diese Strukturen sind jedoch nach wie vor von gesellschaftlicher Bedeutung – mehr noch: in der Wirtschaftskrise gibt es einen patriarchalen Backlash, der von queer politics kaum erfasst werden kann.

    »In einer verdrängenden Sozialordnung, die die Gleichsetzung von normal, gesellschaftlich nützlich und gut fordert, müssen die Manifestationen der Lust um ihrer selbst willen als ›Blumen des Bösen‹ erscheinen. In Herausforderung einer Gesellschaftsordnung, der die Sexualität als Mittel zu einem nützlichen Zweck dient, verteidigen die Perversionen die Sexualität als Zweck an sich; sie stellen sich damit außerhalb des Herrschaftgebietes des Leistungsprinzips und bedrohen es in seinen Grundfesten. Sie stiften libidinöse Beziehungen, die die Gesellschaft verdammen muß, da sie eben den Zivilisationsprozeß bedrohen, der den Organismus zu einem Arbeitsinstrument umgebildet hat. Sie sind das Symbol dessen, was unterdrückt werden mußte, damit die Verdrängung siegen und die immer wirksamere Beherrschung von Mensch und Natur durchsetzen konnte – ein Symbol der zerstörerischen Identität von Freiheit und Glück.«
    [Herbert Marcuse]

Literatur zum Thema:
- The Gay Manifesto and the Queer Manifesto
- Tove Soiland: Queer, flexibel, erfolgreich. Haben
dekonstruktivistische Ansätze den Feminismus entwaffnet? Link
- Roswitha Scholz: Maria, breit‘ den Mantel aus; Link
- Andrea Trumann: Feministische Theorie (Schmetterlingsverlag)
- Michael Mauke: Die Klassentheorie von Marx und Engels Link
- Herbert Marcuse: Triebstruktur und Gesellschaft (Bibliothek Suhrkamp)

Weitere Links:
biko
Kunst Spektakel Revolution

Queer – angekommen im Neoliberalismus?

An dieser Stelle wird der Ankündigungstext zur Veranstaltung
„Queer – angekommen im Neoliberalismus?“ (14.05.12) veröffentlicht.

Queer versucht als Begriff und Konzept diejenigen Bedürfnisse und Begierden aber auch Deformationen und Unterdrückungsverhältnisse zum Ausdruck zu bringen, die nicht in den „großen Erzählungen“ (etwa des Marxismus oder des traditionellen Feminismus) vorkommen. Nachdem Queer, das als Stichwort in den 1980′er Jahren im Umfeld von SexarbeiterInnen, Transen, Punks und der Act-Up-Bewegung aufgetaucht war, jedoch Karriere an der Universität (insb. Judith Butler) gemacht hatte und von dort aus in die Konzepte zivilgesellschaftlichen und bürgerrechtlichen Engagements der NGO’s integriert wurde, wurde es Teil ideologischer Staatsapparate.
Seitdem passen queere Lebenskonzepte nicht nur wunderbar zur flexiblen Subjektivität, die uns im Neoliberalismus abverlangt wird, sondern verhindern mit dem Fokus auf Identität und mikrosoziale Vorgänge die Thematisierung ökonomischer Zusammenhänge – etwa die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung.
Demgegenüber gilt es eine queer-communistische Kritik zu formulieren, die eine Aufhebung der Klassengesellschaft und des Patriarchats, sowie eine Verwirklichung der polymorph-perversen Lüste und Leidenschaften anstrebt.

Die Veranstaltung will weniger eine umfassende und ausgereifte Theorie präsentieren, als das aufgeworfene Thema anhand einiger Thesen zur Diskussion stellen.

Ansätze für eine queere Kapitalismuskritik

Hier ein Debattenbeitrag zu aktuellen deutschsprachigen Arbeiten „queerer Ökonomiekritik“; verfasst von Heinz-Jürgen Voß.
Passend zu seinem Vortrag am 18.05.11
Ansätze für eine queere Kapitalismuskritik